Die magische Suppe mit 9 Wildkräutern
Am Gründonnerstag kocht man traditionell eine vitaminreiche Suppe aus 9 heimischen Wildkräutern. Daher heißt sie auch Gründonnerstags- oder Neunkräutersuppe. Sie entschlackt, vitalisiert und vertreibt die Frühjahrsmüdigkeit. Dem Volksglauben nach soll sie sogar das ganze Jahr über gesund halten.
Und die Zubereitung ist ganz leicht …
von Karin Myria Pickl
Wildkräuter wecken die Lebensgeister
In die Gründonnerstagssuppe kommen traditionell nur grüne Kräuter, die um die Osterzeit bereits in der Natur wachsen. Die ersten Frühlingskräuter sind besonders vitalstoffreich und unser Körper sehnt sich nach den Wintermonaten nach ihren wertvollen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Die Wildkräuter wecken unsere Lebensgeister, stärken das Immunsystem, kurbeln den Stoffwechsel und die Entschlackung an und vertreiben so auch die Frühjahrsmüdigkeit.

Die Ursprünge der Neunkräutersuppe
Die Gründonnerstagssuppe hat bereits eine lange Tradition. Schon in vorchristlichen Zeiten sollen beispielsweise die Kelten und Germanen diese Suppe – im Rahmen eines Frühlingsrituals zur Tag-und-Nacht-Gleiche – gegessen haben. Sie feierten den Frühlingsbeginn mit einem Fest zu Ehren der Frühlingsgöttin Freya oder Ostara. Dabei entzündeten sie unter anderem Frühlingsfeuer, die Vorläufer der heutigen Osterfeuer, und verzehrten die Neunkräutersuppe.
Früher war es für die Menschen ein großer Segen, nach den kargen Wintermonaten wieder frisches Grün essen zu können. Sie glaubten, dass sie mit der 9-Kräuter-Suppe die wiedererwachten Frühlingsenergien und ihre Heilwirkungen aufnehmen würden. Außerdem half ihnen die vitalstoffreiche Suppe, die Winterschwäche und die Vitaminmangelkrankheit Skorbut „auszutreiben“.
Himmlische Heilpflanzen, von den Göttern gesät
Eine Prise Magie tat ihr Übriges dazu: So war es wichtig, genau 9 – also 3 mal die heilige Zahl 3 – heimische Zauberkräuter zu verwenden. Die Menschen damals waren überzeugt, damit gesund und kraftvoll in den Frühling starten und das ganze Jahr über gesund bleiben zu können. Alten mythischen Geschichten nach sollen die Götter selbst die Wildkräuter und andere Heilpflanzen auf der Erde angesät haben. Daher sollen die Pflanzen göttliche Kräfte in sich tragen. Zusätzlich riefen die Menschen die Götter und Pflanzendevas an, um sicherzugehen und die Heilkraft zu verstärken.

Wie aus der Neunkräutersuppe die Gründonnerstagssuppe wurde
Im Mittelalter übernahmen die Christen den Brauch der Neunkräutersuppe und legten ihn auf den Gründonnerstag. Seither trägt die gesunde Wildkräutersuppe auch den Namen Gründonnerstagssuppe. Die Christen gaben der Suppe außerdem eine neue Bedeutung: Mit ihrer leichten Bitterkeit soll sie an das Leiden Christi in der Karwoche erinnern.
Das Ende der Fastenzeit
Der Gründonnerstag – der Donnerstag vor Ostern und der Tag, an dem das letzte Abendmahl stattfand – leitet das Ende der Fastenzeit ein und steht für den Beginn der Osterzeit. Die Gründonnerstagssuppe war daher auch die Speise, mit der das (früher meist unfreiwillige) Fasten gebrochen wurde. So weckte die vitalisierende und stark reinigende Suppe die Lebenskräfte.

Übrigens: Der Name Gründonnerstag hat nichts mit den grünen Kräutern zu tun, wie man zunächst vermuten könnte. Er leitet sich wahrscheinlich auch nicht von der Farbe „Grün“ ab, sondern vom Begriff „greinen“ (Mittelhochdeutsch „gronan“) für weinen. Früher wurden am Gründonnerstag nämlich die öffentlich bekannten Sünder und Büßer (Weinende, Greinende), die am Aschermittwoch aus dem Gottesdienst ausgeschlossen wurden, wieder in die Gemeinschaft aufgenommen. Außerdem sind junge grüne Zweige ein Symbol für Unschuld und Neubeginn – auch für das neue Jahr.
Ach, du grüne Neune! Die Magie der neun Kräuter
Die Gründonnerstagssuppe heißt auch Neunkräutersuppe (oder 9-Kräuter-Suppe geschrieben), vermutlich da man der Tradition nach 9 heimische Wildkräuter verwendet. Die Zahl 9 ist eine uralte, magische Zahl, in der 3 Mal die heilige, göttliche Zahl 3 steckt. Im Christentum ist die 3 die Zahl der Dreifaltigkeit. Multipliziert man sie mit 3, verdreifacht sich die Wirkung. Auch in Mythologien und vielen Märchen ist die 3 eine bedeutsame, magische Zahl: So gibt es in den Geschichten beispielsweise oft 3 wichtige Figuren, 3 freie Wünsche oder 3 Aufgaben zu bestehen.
Entsprechend soll es dem Brauch nach wichtig sein, dass die Suppe aus 3 Mal 3 Kräutern besteht. Nur so kann sie ihre volle, reinigende und heilsame Wirkung entfalten – mit dreifacher Kraft.
Der Grund, warum es genau 9 Kräuter sein sollen, ist wissenschaftlich jedoch bisher nicht sicher belegt. Es gibt auch Gegenden, in denen 7 Kräuter in die Gründonnerstagssuppe kommen. Auch die Sieben ist eine heilige Zahl.
Welche Kräuter gehören in die Gründonnerstagssuppe
Für die Gründonnerstagssuppe nimmt man ausschließlich Wildkräuter aus der Region. Welche Kräuter in die Suppe kommen, variiert je nach Gegend, Ostertermin, Wetterlage um Ostern und welche Pflanzen die Natur schon bereithält.
Die Kräuter sollen möglichst frisch gesammelt werden und aus der Natur direkt in der Umgebung stammen. Am besten sucht man sie auf Wiesen, an Waldrändern und in Wäldern, an denen keine vielbefahrenen Straßen vorbeiführen und die auch nicht übermäßig zum Gassi-Gehen genützt werden. Wenn nicht ausreichend Wildkräuter zu finden sind, kann man auch frische Garten- und Küchenkräuter vom Markt oder im Topf gezogen verwenden. Nicht verwenden sollte man getrocknete Kräuter, da sie weniger Inhaltsstoffe und die so erwünschte Frühlingskraft nicht enthalten.
WICHTIG: Sammle nur Wildkräuter, die du hundertprozentig sicher kennst! Wenn du unsicher bist, lasse die Kräuter von einem kräuterkundigen Menschen prüfen oder nimm frische Kräuter aus dem Topf.
Geeignete Kräuter für die Gründonnerstagssuppe:
- Bärlauch
- Bachbunge
- Beifuß
- Bibernelle
- Bitteres / Behaartes Schaumkraut
- Brennnessel
- Brunnenkresse
- Frauenmantel
- Gänseblümchen
- Giersch
- Gundermann (Gundelrebe)
- Heilziest
- Knoblauchrauke
- Liebstöckel
- Löwenzahnblätter
- Pimpinelle
- Rauke
- Sauerampfer
- Sauerklee
- Schafgarbe
- Scharbockskraut
- Schlüsselblume (Achtung: Steht unter Naturschutz! Daher nur im Garten sammeln.)
- Taubnessel
- Tripmadam
- Veilchenblätter
- Vogelmiere
- Wegerich
- Wegwarte
- Wiesenbärenklau
- Wiesenlabkraut
- Wiesenschaumkraut
Die fett markierten Kräuter sind Basiskräuter, die als Grundlage für die Gründonnerstagssuppe dienen. Sie sollten den Hauptteil der Kräutermenge ausmachen.
Wenn du in der Natur nicht ausreichend fündig wirst, gehen auch Garten- und Küchenkräuter wie Basilikum, Dill, Kerbel, Kresse, Petersilie, Rapunzel, Salbei, Schnittlauch, Thymian oder Zitronenmelisse.

Die Zusammenstellung der Kräuter
Es gibt verschiedene Rezepte, wie man die 9-Kräuter-Suppe zusammenstellen kann. Das einfachste Rezept ist, die ersten 9 essbaren Wildkräuter zu nehmen, die man in der Umgebung findet. Dem Volksglauben nach heißt es, dass man die ersten 9 Kräuter sammeln soll, die man entdeckt, wenn man durch das Gartentor geht.
Es gibt jedoch auch Rezepte, bei denen die Kräuter gezielt kombiniert werden – zum Beispiel nach ihrem gesundheitlichen Wert. Das Rezept kann auch jedes Jahr variieren – je nach aktuellem Gesundheitszustand, Bedarf des Körpers und dem Kräuterangebot in der Natur. Wer eine gute Intuition hat, kann das Rezept auch intuitiv erstellen.
Faustregel für 1 Liter Suppe: eine Handvoll je Kräutersorte. Bei sehr intensiv schmeckenden Kräutern kannst du auch etwas weniger nehmen.
Grundrezept mit Kartoffeln (für 3bis 4 Personen)
Die Zutaten:
- 9 frische Wildkräutersorten – je 1 Handvoll (ca. 30 Gramm)
- 2 bis 3 Kartoffeln (mehlig kochend)
- 2 Zwiebeln
- 2 Zehen Knoblauch (nach Geschmack, kann auch weggelassen werden)
- 2 EL Butter oder Olivenöl
- 1 Liter Quellwasser
- Salz, Pfeffer, Gewürze
- Zum Verfeinern und Dekorieren nach Wahl 100 ml süße oder saure Sahne, Kräutertriebe, essbare Blüten, geriebener Parmesan, Croutons …
Die Zubereitung:
- Zuerst die Kartoffeln kochen, schälen, etwas auskühlen lassen und in kleine Würfel schneiden.
- Die Zwiebeln und schälen und in kleine Würfel schneiden.
- den Knoblauch schälen und ebenfalls klein schneiden oder pressen.
- In einen ausreichend großen Topf etwas Pflanzenöl (z. B. Oliven- oder Rapsöl) oder Butter geben und die Zwiebeln und ggf. den Knoblauch darin andünsten. Dann die Kartoffelwürfel dazugeben.
- Die Kräuter waschen, abtropfen lassen und trocken schütteln. Erst kurz bevor sie zu den anderen Zutaten in den Topf kommen hacken bzw. fein schneiden, damit möglichst viele ihrer wertvollen Inhaltsstoffe erhalten bleiben. Wichtig: Die Kräuter nicht mit einem Mixer zerkleinern!
- Alles mit Quellwasser aufgießen, etwa 5 Minuten köcheln lassen und dann mit dem Pürierstab/Mixer fein pürieren.
- Abschmecken mit gutem Salz, Pfeffer und etwas Muskatnuss.
- Verfeinern – nach Geschmack mit geschlagener Sahne, Creme Fraiche oder Sauerrahm. Die Sahne ist wichtig, da das Fett den Geschmack intensiviert und die fettlöslichen Vitamine freisetzt. Zum Schluss nach Belieben Parmesan, Pinienkerne und/oder geröstete Croutons drüberstreuen.
- Dekorieren mit Kräuterzweigen oder essbaren Blüten wie von Gänseblümchen, Löwenzahn, Taubnessel oder Veilchen.
- Dazu reicht man zum Beispiel ein Knoblauchbaguette oder ein gutes Vollkornbrot.
Alternative: Statt Kartoffeln zum Binden zu verwenden, kannst du auch eine Mehlschwitze machen.
Variante 1: Gründonnerstags-Wildkräuter-Spinat
In manchen Regionen gab und gibt es statt der Neunkräutersuppe Kartoffeln mit Spinat und Spiegelei. Statt normalem Spinat kann man auch einen Kräuterspinat mit Bärlauch, Brennnesseln, Giersch, Gundelrebe, Löwenzahn, Sauerampfer, Schafgarbe, Spitzwegerich und Taubnessel zubereiten. Zubereitet wird der Spinat wie die Suppe, jedoch mit weniger Wasser.
Variante 2: Gründonnerstags-Smoothie
Wer keinen Appetit auf eine Suppe hat, kann sich auch einen Gründonnerstags-Smoothie zubereiten. Hier das Rezept:
Die Zutaten:
- 2 Handvoll Wildkräuter (gewaschen und trockengeschüttelt)
- 1 Banane
- weiteres Obst (ca. 200 Gramm, zum Beispiel Apfel, Birne, Kiwi, Beeren o. a.)
- 300 ml Quellwasser
Die 9 Kräuter für den Smoothie
- Brennnessel
- Gänseblümchenblätter
- Giersch
- Gundermann
- Löwenzahn
- Sauerampfer (Portulak
- Rotklee
- Spitzwegerich
- Vogelmiere
Zubereitung:
Alle Zutaten in einen Hochleistungsmixer geben und zu einem cremigen Smoothie verarbeiten. Fertig!
(© Karin Myria Pickl, 30.03.2015; Fotos: pixabay)
