Aug 142016
Kräuterbuschen binden im Frauendreißger

Foto: pixabay

bouquet-890337_640
Foto: pixabay

Ein wundervoller Sommerbrauch, der heute noch in viele Regionen – vor allem von Bayern bis Südtirol – lebendig ist, ist das Binden von Kräuterbuschen zu Mariä Himmelfahrt am 15. August – der Gottesmutter Maria zur Ehr´.

Traditionell werden die Kräuter meist am Vortag gesammelt und zu Buschen und Sträußen gebunden, um diese dann am Feiertag im Gottesdienst weihen zu lassen. Erst danach dürfen die Kräuterbuschen ins Haus, wo sie traditionell ihren Platz im Herrgottswinkel, unter dem Dach und im Stall finden. Dort bleiben sie ein Jahr, bis sie im nächsten Sommer mit frischen Buschen ersetzt werden.

Beginn des Frauendreißigers

Die 30 Tage ab Mariä Himmelfahrt sind eine besondere Zeit: der sogenannte Frauendreißiger. In diesen Sommertagen ist die Sonnenkraft am stärksten und die Heilkräuter besonders heilkräftig, da ihr Gehalt an Inhaltsstoffen jetzt am höchsten ist. Traditionell sammelt man jetzt alle Heilkräuter für ein Jahr, um den ganzen Winter über und das nächste Jahr hindurch versorgt zu sein.

Zum Ende des Frauendreißigers gibt es verschiedene Auslegungen:

  • 8. September: Mariä Geburt
  • 12. September: Mariä Namen (Festtag zu Ehren des heiligen Namens Maria, Namenstag)
  • 14. September: Kreuzerhöhung (Wiederauffindung des Kreuzes Christi, 350/360 n. Chr.)

An Mariä Namen sagt der Sommer Amen. (Volksmund)

Nach dem Frauendreißiger gelten die Heilkräuter als unantastbar, nicht mehr heilig und heilsam. Denn ihre Heilkräfte lassen, wenn es in den Herbst hinein geht, deutlich nach. Man lässt sie bewusst für die Tiere und die Natur stehen.

virgin-335500_640
Foto: pixabay

Eine uralte Tradition

Der Brauch des Kräuterbuschen-Bindens und der Kräuterweihe stammt ursprünglich schon aus der vorchristlichen Zeit. Heilpflanzen und damit verbundene Jahreskreis-Rituale kannten schon unsere keltischen und germanischen Vorfahren.

Mit der christlichen Missionierung wurde die Kräuerweihe zunächst als Hexenwerk verteufelt, doch da die Menschen sich diesen Brauch nicht verbieten ließen, integrierte die Kirche ihn als großen Frauentag, der Gottesmutter Maria unterstellt.

Einer Legende nach sollen Apostel drei Tage nach dem Tod der Gottesmutter an ihr Grab gekommen sein. Das Grab war jedoch leer – sie wurde mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen. Stattdessen fanden die Apostel in ihrem Grab Rosen und Lilien sowie um das Grab herum eine Vielzahl an duftenden Heilkräutern und Blumen, die Maria zu Lebzeiten so geliebt hatte. So wurde Maria eine Art Schutzpatronin für alle Kräutheiler und -kundigen.

Das Sammeln und Binden der Kräuter

Traditionell sammelt und bindet man die Kräuter am Tag oder Abend vor Mariä Himmelfahrt. Am besten verwendet man ausschließlich Pflanzen, die man am Sammeltag findet und die eben in der Umgebung wachsen. Denn die Kräuter, die ein Mensch braucht, findet er um sein Haus herum.

Wichtig ist, dass man die Kräuter mit der richtigen Einstellung sammelt und sie nur mit der Hand pflückt, nicht mit einem Messer oder einer Schere schneidet. Auch sollte man daran denken, den Pflanzen für ihren Dienst zu danken.

mullein-1572735_640
Foto: pixabay

Dann bindet man die Kräuterbuschen:

  • In die Mitte des Bündels kommen meist eine Königskerze, auch Marienkerze genannt, Rosen oder Kornähren – als Symbole für die Gottesmutter Maria.
  • Um die Mitte herum ordnet man nun die anderen Kräuter an – fein abgestimmt nach Größe und Farbe, damit es ein harmonisches Bündel bzw. einen schönen Strauß ergibt.
  • Für Außen nimmt man hübsche Blüten und Efeu, um das Büschel schön zu dekorieren.
  • Zum Verschnüren verwendet man am besten Naturbast und eine frarbige Schleife zum Dekorieren.

An Maria Himmelfahrt werden die Kräuterbüschel dann gesegnet – traditionell im Gottesdienst, man kann sie jedoch auch selbst segnen.

Erst nach dem Segnen kommen die Kräuterbuschen ins Haus und werden im Herrgottswinkel oder am Hausaltar aufgehängt. Gibt es Tiere, kann man auch einen im Stall platzieren.

Man sollte die Kräuterbuschen an einem geschützten, trockenen Platz aufhängen und darauf achten, dass sie kopfüber hängen, so dass sie gut trocknen können und von oben keinen Staub auffangen.

Welche Kräuter kommen in das Kräuterbüschel?

Am besten verwendet man Kräuter, die in der Umgebung wachsen und die man am Sammeltag eben findet.

In die Mitte des Kräuterbüschels kann man setzen:

  • Königskerze (Marienkerze, Himmelsbrand): Symbol für das Zepter Mariens; gibt Kraft, Stärke und Schutz
  • Rosen: Symbol für Maria, stehen für Liebe, Harmonie und Schutz
  • Lilien: wuchsen im Grab Marias, auch Symbol für den Heiligen Josef
  • Getreideähren: Korn steht für das Brot, das uns täglich nährt, und vielen Tieren Nahrung bietet
  • Alant: man nimmt so viele Stängel wie es Familienmitglieder gibt; verleiht Kraft und Mut
  • Rohrkolben: Symbol für die Lust und ein gesundes Liebesleben

Außenherum bindet man dann – schön angeordnet – die weiteren aromatischen Wild- und Gartenkräuter, hübsche Gras- und Getreidehalme, bunte Wild- und Ackerblumen wie:

  • Ackerminze
  • Alant
  • Arnika
  • Baldrian
  • Beifuß
  • Bohnenkraut
  • Eberesche
  • Eibisch
  • Eisenkraut:
  • Fenchel
  • Frauenmantel
  • Geißfuß
  • Goldrute
  • Haselnusszweige
  • Hirtentäschel
  • Hopfen
  • Johanniskraut
  • Kamille
  • Kornblume
  • Labkraut (Marienbettstroh)
  • Liebstöckel
  • Majoran
  • Pfefferminze
  • Rainfarn
  • Ringelblumen
  • Salbei
  • Schafgarbe
  • Sonnenhut
  • Taubnessel
  • Tausendgüldenkraut
  • Thymian
  • Wegwarte
  • Weidenröschen
  • Wermut
  • Wurmfarn
  • Ysop
  • Zitronenmelisse

Den dekorativen Abschluss können bilden:

  • Dahlienblüten
  • Glockenblume
  • Rose/Wildrose
  • Sonnenblume
  • Weiß- und Blaukrautblätter
  • Efeu – bildet den letzten Abschluss, für allgemeinen Schutz

7 bis 99 Kräuter für den Kräuterbuschen

Der Kräuterbuschen sollte immer aus einer heilig-mystischen Zahl zwischen 7 und 99 verschiedenen Kräutern bestehen. Traditionell waren es früher meist 9 oder 99 Kräuter, später kam auch die heilige Zahl 7 hinzu. Außerdem gibt es regionale Unterschiede.

  • 7: Anzahl der Wochen- bzw. Schöpfungstage
  • 9: = 3 x 3 – Symbol für die Heilige Dreifaltigkeit
  • 12: Zahl der Apostel und Stämme Israels
  • 14: Zahl der Nothelfer
  • 21: = 3 x 7
  • 24: = 2 x 12
  • 72: = 6 x 12
  • 77: = 2 mal die Zahl 7 nebeneinander
  • 99: = 33 x Drei

Die kleine Kräuterapotheke für das Jahr

Das getrocknete und gesegnete Kräuterbüschel dient nun für ein Jahr als kleine, natürliche Hausapotheke. Diese Kräuter aus dem Buschen sollen besonders starke Heilkräfte haben. Die Menschen nutzen sie früher für viele verschiedene Zwecke – zum Beispiel um Tee zuzubereiten, zum Räuchern, für magische Anwendungen und zum Segen für Hof und Tier.

Heute verwendet man die Kräuterbuschen vor allem als energiereiche Dekoration oder zum Räuchern.

Traditionelle und moderne Einsatzmöglichkeiten:

  • Als Heilmittel eingesetzt kann man daraus Tee zubereiten, Bäder bereiten oder Salben herstellen.
  • Als Seelenmedizin stärken sie die Seele und bringen Licht für die dunkle Jahreszeit – alleine schon durch ihre Anwesenheit an einem heiligen Ort im Haus.
  • Beim Räuchern reinigen und schützen sie Haus und Hof. Außerdem unterstützen sie alle Abschiede und Neuanfänge.
  • In den Raunächten verräuchert unterstützen sie den Jahreswechsel.
  • Volksmagie: Wirft man bei Unwetter ein paar Pflanzenteile ins Feuer, soll dies vor Blitz, Donner und Unglück schützen. Legt man einen Kräuterbuschen oder Teile davon unter das Kopfkissen, soll das Eheglück erhalten bleiben.
  • Für Tiere: Gibt man ein paar zerriebene Kräuter in das Viehfutter, sollen die Tiere gesund bleiben.

TIPP: Man kann auch mehrere kleine Kräuterbüschel für spezielle Zwecke binden

Meine kleinen Räucherbuschen

Während die großen Kräuterbuschen als Strauß gebunden werden, kann man diese speziellen, kleinen Räucherbuschen auch wie lange, schmale Räuchersticks wickeln.

REINIGUNG, KLÄRUNG & SCHUTZ

  • Beifuß
  • Salbei
  • Schafgarbe

LIEBE, HARMONIE, FRIEDEN & GLÜCK

  • Frauenmantel
  • Johanniskraut
  • Kamille
  • Lavendel
  • Liebstöckel
  • Mädesüß
  • Malve
  • Ringelblume
  • Schafgarbe
  • Wildrose

GESUNDHEIT, HEILUNG & VORBEUGUNG

  • Lavendel
  • Linde
  • Majoran
  • Malve
  • Minze
  • Salbei
  • Thymian
  • Zitronenmelisse

ENTSPANNUNG, ERHOLUNG & GUTER SCHLAF

  • Baldrian
  • Beifuß
  • Holunder
  • Johanniskraut
  • Kamille
  • Kornblume
  • Lavendel
  • Steinklee

KRAFT, MUT & SCHUTZ

  • Beifuß
  • Himbeere
  • Nelke
  • Rosmarin
  • Schafgarbe
  • Wacholder
  • Wegerich
  • Wermut

WEISHEIT, ERFOLG & WOHLSTAND

  • Beinwell
  • Eiche
  • Eisenkraut
  • Goldrute
  • Holunder
  • Kamille
  • Salbei
  • Wegwarte

SCHUTZ VOR UNWETTER

  • Arnikablüten
  • Beifuß
  • Brennnessel
  • Farn
  • Hauswurz
  • Johanniskraut
  • Königskerze
  • Mistel

Ich wünsche viel Freude beim Sammeln und Binden! 🙂

In Kräuterliebe
Karin Myria Pickl


(Text: Karin Myria Pickl, Fotos: pixabay; 14.08.2016)

Kräuterfee Karin Myria

Hier schreibt Karin Myria - Kräuterfee, Medizinfrau, Mystikerin, Coach, Fachautorin und Speakerin. Vor rund 30 Jahren habe ich meine Begeisterung für Wildkräuter und Heilpflanzen entdeckt. Begonnen habe ich mit der Aromatherapie und der Herstellung von Naturkosmetik, später kam die Wildkräuter- und Heilpflanzenkunde hinzu. Seit 2012 gebe ich Wildkräuter- und Jahreskreis-eWorkshops. ~ Besuche mich gerne auch auf meiner Haupt-Website: www.karin-myria-pickl.com. Ich freue mich!


Write a Comment